Der Bau eines neuen Pumpspeicherwerks ist meist ein Generationenprojekt. Wer die Schweizer Energiewelt kennt, weiss: Zwischen Idee und Baubeginn liegen oft jahrelange Verfahren, Einsprachen und Gutachten.
Ein Projekt im Berner Oberland liegt nun aber bereit. Der Baustart von Grimsel 4, dem neuen Pumpspeicherwerk der Kraftwerke Oberhasli AG (KWO), soll noch in diesem Jahr erfolgen. Die Baubewilligung wurde Anfang 2026 erteilt, die Amortisationsvereinbarung wird im März 2026 vom Grossen Rat behandelt. Wenn alles reibungslos läuft, fliesst bereits im Jahr 2031 der erste Strom. Aber wie ist dieses Tempo überhaupt möglich?
- Bessere Nutzung bestehender Infrastruktur: Grimsel 4 entsteht komplett unterirdisch. Das neue Kraftwerk soll eine zusätzliche Verbindung zwischen den bestehenden Stauseen Grimselsee und Räterichsbodensee schaffen und das gefasste Wasser effizienter nutzen. Der Einfluss auf Landschaft und Umwelt ist minimal.
- Konzession liegt bereits vor: Im Rahmen des Projekts «Ersatz Staumauer Spitallamm» konnten deshalb während der Grimselsee-Absenkung im Winter 2024/2025 bereits vorbereitende Arbeiten für Grimsel 4 realisiert werden. Dank der geleisteten Vorarbeit kann das Projekt rascher und kosteneffizienter umgesetzt werden. Den finalen Investitionsentscheid können die Aktionäre in den nächsten Monaten fällen.
- Notwendigkeit ist breit anerkannt: Der Ausbau von Solaranlagen schreitet rasch voran – das ist gut, aber es macht unser Stromsystem unruhiger. Der Bedarf nach Flexibilität steigt. Mittlerweile ist breit anerkannt, dass der gezielte Ausbau der flexiblen Wasserkraft zentral ist für das Gleichgewicht im Stromsystem und damit für die Versorgungssicherheit. Kombiniert mit den minimalen Auswirkungen auf Landschaft und Umwelt sorgt dies für eine grosse Akzeptanz des Projekts.
Die BKW unterstützt als grösste Aktionärin der KWO eine rasche Umsetzung von Grimsel 4. Das Projekt schafft nicht nur ein neues Kraftwerk, sondern ist auch ein Beispiel dafür, wie die Energiewende in der Schweiz gelingen kann: schnell, verantwortungsvoll und mit Blick auf kommende Generationen.
Die Amortisationsvereinbarung – Grundlage für den Investitionsentscheid
Ein Projekt wie Grimsel 4 kostet viel und das neue Pumpspeicherwerk hat eine sehr lange Nutzungsdauer. Die Investition kann nur getätigt werden, wenn die Kosten über einen längeren Zeitraum abgeschrieben werden können. Da die Gesamtkonzession der KWO Ende 2041 ausläuft und ein Heimfall durch den Kanton Bern möglich ist, braucht es eine klare Regelung. Die Amortisationsvereinbarung legt für diesen Fall die Vergütung des Kantons an die KWO für die Investitionen in das neue Kraftwerk fest. Für die Aktionäre der KWO sind so die Investitionen in Grimsel 4 auch bei einem allfälligen Heimfall geschützt und für einen Bauentscheid muss nicht auf die Konzessionserneuerung gewartet werden. Bei einer Neuvergabe der Konzession an die KWO wird die Amortisationsvereinbarung obsolet. Der Grosse Rat des Kantons Bern behandelt diese Vereinbarung in der Frühlingssession 2026.
Warum Flexibilität der Schlüssel zur Versorgungssicherheit ist
Die Energiewende bringt neue Instrumente – von Grossbatterien bis hin zu intelligentem Verbrauchsmanagement. Gleichzeitig ist die bewährte Flexibilität heute wichtiger denn je, insbesondere aus der Wasserkraft. Pumpspeicherwerke wie Grimsel 4 können innert Minuten auf Schwankungen im Stromsystem reagieren und Produktionsspitzen aus Solar- und Windenergie zuverlässig ausgleichen.
Für ein stabiles Energiesystem braucht es die Kombination aus bewährten und neuen Flexibilitätslösungen. Die BKW als grösste Aktionärin der KWO vermarktet ihren Teil der Flexibilität der Grimselkraftwerke. Ihr Trading Floor ist rund um die Uhr besetzt und stellt sicher, dass die wertvolle Flexibilität optimal genutzt wird und so das System im Gleichgewicht bleibt – für die Versorgungssicherheit im Kanton Bern und in der ganzen Schweiz.
Wasserkraft: Ein Wert, der Generationen überdauert
Damit Projekte wie Grimsel 4 umgesetzt werden, braucht es langfristige Planungssicherheit. Mit Amortisationsvereinbarungen kann der Kanton die Umsetzung der KWO-Ausbauprojekte unterstützen. So sind die Investitionen in die Ausbauprojekte auch bei künftigen Anteilsverschiebungen oder Heimfällen geschützt. Das ist wichtig, denn Wasserkraftwerke überdauern Generationen.
Für die langfristige Sicherung der Wasserkraft im Kanton Bern ist die Konzessionsstrategie Wasserkraft zentral. Sie definiert, wie es nach dem Auslaufen der KWO-Gesamtkonzession Ende 2041 weitergeht. Die Strategie schafft Klarheit und Planungssicherheit – und damit die Basis für eine rasche Umsetzung der KWO-Ausbauprojekte.
Aktuell überarbeitet der Regierungsrat die Konzessionsstrategie. Die BKW spricht sich für eine gezielte Stärkung der Berner Akteure an der KWO aus. Es liegt nun in der Hand der Politik, Klarheit zu schaffen. Mit einer vorausschauenden Wasserkraftpolitik kann der Kanton Bern nicht nur die Energiewende prägen, sondern mehr Wertschöpfung für den Kanton sichern – und gleichzeitig die Versorgungssicherheit für kommende Generationen stärken.
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